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Jun. 16th, 2003

  • 11:00 PM
allaire: (red)
If you truly want to suffer through another politics-related rant, please do click here:

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Pentagon-Berater Perle dementiert US-Militärpläne in Mittelost

Berlin (dpa) - Die USA haben nach Angaben von Pentagon-Berater Richard Perle derzeit keine militärischen Pläne gegen Iran. In einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" (Dienstag-Ausgabe) sagte Perle: "Eine kleine, korrupte und brutale Clique von Mullahs hat im Iran die Macht an sich gerissen. Sie widersetzt sich allen Reformen, sie schließt Zeitungen und unterdrückt die Meinungsfreiheit." Derzeit bestehe eine gute Chance für einen friedlichen Regimewechsel in Teheran. Dabei setzten die USA auf die Bevölkerung und die Studenten.

"Ich glaube nicht, dass irgendjemand im Augenblick an eine Militäraktion gegen den Iran oder auch gegen Syrien denkt", sagte Perle. "Wir haben keinen militärischen Masterplan für den Mittleren Osten. Wir benutzen militärische Gewalt nur, wenn alle friedlichen Mittel erschöpft sind. Das war im Irak der Fall."

Im benachbarten Irak müsse der Westen die politische Ausgangsbasis dafür schaffen, dass sich das Land eine neue Verfassung geben könne. "Diese Verfassung darf jedoch nicht einer neuen Diktatur den Weg bereiten ... Natürlich wird es Kritik geben, dass wir unsere Werte von Freiheit und Demokratie anderen aufzwingen. Aber das stört mich nicht", sagte Perle.

Der Pentagon-Berater zeigte sich überzeugt, dass im Irak noch Massenvernichtungswaffen gefunden würden. "Die Waffen sind sehr gut versteckt. Um sie zu finden, brauchen wir spezifische Informationen von Leuten, die diese Waffenprogramme organisiert haben. Wir müssen ein öffentliches Klima schaffen, damit diese Leute den Mut finden, ihr Wissen preiszugeben." Bei der Beweisführung seien "kleinere Fehler gemacht" worden. Man habe aber nicht versucht, die Öffentlichkeit bewusst zu täuschen.

Perle kritisierte noch einmal die Haltung von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Irak-Konflikt. "Niemand hat Bundeskanzler Schröder gebeten, deutsche Truppen in den Irak zu schicken. Trotzdem hielt er es für richtig, Anti-Kriegs-Gefühle der Bevölkerung zu nutzen, um seine Wahlchancen zu erhöhen." Dies sei eine "pubertäre Attacke" auf die Führungsmacht der westlichen Welt gewesen.

dpa, 16 Jun 2003, 16:25

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Ein sehr seltsames Interview. Wenn Perle, als Sicherheitsberater, davon spricht, daß er nicht glaubt, daß es eine Militäraktion im Mittleren Osten geben werde, kann ich mich nur wundern. Weiß er es denn nicht? Ist es nicht eben sein Job, so etwas zu wissen, wenn er schon um seine Meinung gefragt wird? Warum klingt dieses Dementi nur so sehr nach Beruhigungsmache und nach etwas, was in ein paar Monaten ohne Gewissensbisse unter den Tisch gefegt wird? Und das Zitat, "Natürlich wird es Kritik geben, dass wir unsere Werte von Freiheit und Demokratie anderen aufzwingen. Aber das stört mich nicht." ist das Heißeste überhaupt. Da sehen wir es wieder. Die US-Regierung kehrt sich keinen Dreck darum, ob ihre Handlungen vom Rest der Welt akzeptiert, ja auch nur verstanden werden. Sie sind der Herumschubser, der Rowdy auf dem Pausenhof. Ich wünschte nur, jemand könnte sie vor den Direktor zerren. Mir dreht sich der Magen um. Und ebenfalls lächerlich ist es, einerseits von Demokratie zu faseln, andererseits aber andere Länder zu kritisieren, die eben von diesem Grundrecht Gebrauch machen und es wagen, die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zu kritisieren. Wie Gerhard Schröder, dessen Aussagen im Wahlkampf bei Gott sein gutes Recht waren (und bei weitem weniger peinlich als die frühere rote-Socken-Kampagne der CSU/CDU, die sich damit auf Kindergartenniveau herabließ und Anti-Werbung gegen die Gegenpartei betrieb -- wohl da ihnen keine Werbung für die eigene Partei einfiel).

Möchte jemand Wetten abschließen, wann Bush & Kohorten den nächsten Krieg anfangen?

Ach ja, und der "Liquidierungversuch" (sagt doch gleich: MORDversuch) der israelischen Regierung gegen den militanten Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi zeigt ebenfalls, daß es keine Tiefen gibt, auf die eine angeblich demokratische Regierung nicht herabsinken könnte. Und dann sagen Männer wie Dov Weissglas, ein Berater Scharons, in Washington: "Wenn Israel nicht angegriffen wird, werden wir nicht zurückschlagen, es sei denn in besonderen Fällen der Selbstverteidigung." Klar, erst provozieren wir die Gegenseite mit einem Mordversuch, und dann schieben wir ihnen die Schuld zu, wenn es zu Attentaten kommt. Oh Wunder. In was für einer Welt leben wir überhaupt? Sind denn alle durchgedreht? Und die israelische Regierung bekam eine "Abmahnung" von den USA. Was hätten sie denn bekommen, wenn die "Liquidierung" erfolgreich verlaufen wäre? Applaus?

Gott, bin ich froh, in Deutschland zu leben. Unsere Wirtschaft geht ja vielleicht den Bach runter, aber wir sind wenigstens nicht wahnsinnig. Ich bin ja schon einmal auf die Geschichtsbücher meiner Enkel gespannt. Obwohl es ja heißt, daß gerade diese von den Siegern geschrieben werden.

Na ja, vielleicht nicht gerade in Deutschland. Laßt es uns hoffen.

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So. Now I'm feeling better. Pity the world's still fucked up.

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